LogiMAT 2026: SAP LGM war überall – das müssen Sie jetzt wissen
Die LogiMAT 2026 hatte ein auffälliges Muster: An gefühlt jedem zweiten Stand von SAP-Partnern und Beratungshäusern tauchte SAP Logistics Management auf. Präsentationen und Live Demos. Eine Lösung, die erst seit Oktober 2025 offiziell verfügbar ist, dominierte die Messegespräche.
Die Frage ist: Warum dieser Hype? Und was bedeutet das für Unternehmen, die gerade ihre Logistikstrategie überdenken?
SAP pusht massiv – und der Markt hat tatsächlich Bedarf.
SAP hat LGM zur strategischen Priorität erklärt. Das war auf der Messe nicht zu übersehen. Massive Präsenz im SAP-Bereich, Co-Marketing-Programme für Partner, Demo-Tenants für Berater, aggressive Roadmap-Kommunikation.
Was dahintersteckt:
SAP braucht eine Cloud-native Logistiklösung. Die On-Premise-Welt (SAP WM, LE-TRA) läuft aus. SAP EWM und TM sind technisch ausgereift, aber zu komplex und zu teuer für kleinere Standorte. LGM schließt diese Lücke – und ist gleichzeitig der Hebel, um Kunden ins Cloud-Ökosystem zu ziehen.
Gleichzeitig trifft das auf echten Marktdruck. Viele Unternehmen stehen gerade vor der gleichen Frage: Was machen wir mit unseren kleinen Lagerstandorten?
Die typische Situation:
- Hauptlager läuft mit SAP EWM
- Daneben existieren 5-15 regionale Standorte mit manuellen Prozessen, Excel oder veralteten WMS
- Migration auf S/4HANA steht an oder läuft bereits
- Supply Chain-Strategie verschiebt sich von zentralisierten zu verteilten Netzwerken
Diese Standorte müssen digitalisiert werden. Aber: EWM ist für einen 500-Palettenplatz-Standort ökonomischer Wahnsinn. Cloud-WMS von Drittanbietern funktionieren, schaffen aber Insellösungen außerhalb der SAP-Landschaft. LGM kommt genau in diesem Moment. Die Message: „Native SAP-Integration, schnelle Implementierung, niedriger TCO, Cloud-native.“ Das trifft einen Nerv.
Partner-Perspektive: Neues Geschäftsfeld für kleinere Standorte
Für SAP-Berater ist LGM aus einem weiteren Grund interessant: Viele Unternehmen stehen gerade mitten in S/4HANA-Transformationen. Diese Projekte bringen die große Frage mit sich: Wie gehen wir mit unseren Lagerstandorten um? Das Hauptlager wird mit SAP EWM ausgestattet – was ist mit den kleineren Standorten? Für diese war EWM meist zu überdimensioniert.
LGM eröffnet neue Möglichkeiten:
- Rollout an mehreren Standorten pro Kunde
- Schnellere Projektzyklen
- Mehr Projekte pro Jahr, planbarer Ressourceneinsatz
- Attraktiv für Berater: Neue Technologie, Cloud-Stack, moderner UX
Das erklärt die massive Präsenz auf der Messe. Partner positionieren sich früh, um beim erwarteten Rollout-Wave dabei zu sein. Wer jetzt Referenzprojekte vorweisen kann, hat einen Vorteil.
Für SAP-Partner ist das eine klare Ansage: Wer jetzt nicht auf LGM setzt, verpasst das nächste große Implementierungsthema. Also investieren Beratungshäuser massiv in Know-how-Aufbau, Demo-Umgebungen.
Die Messe war die perfekte Bühne, um diese Kompetenz zu zeigen.
Praxistest: Die ersten Implementierungen
Interessant waren die wenigen Stände, die bereits produktive LGM-Systeme präsentiert haben. Nicht Demos, sondern echte Kundenszenarien.
Was funktioniert:
- Standardprozesse laufen stabil
- Mobile Apps werden von Lagermitarbeitern akzeptiert
- Integration mit S/4HANA funktioniert out-of-the-box
- Carrier-Collaboration über Business Network spart tatsächlich Zeit
Wo es hakt:
- Lagerstrategien noch eingeschränkt – aktuell Fixed Bin und simple FIFO-Strategien fehlen noch
- Batch-Management und Chargen-Verfolgung kommen erst Q2/Q3 2026 laut Roadmap
- Wave Management fehlt – Gruppierung und Optimierung von Kommissionieraufträgen nach Priorität nicht vorhanden
- Mobile Wareneingang noch eingeschränkt – erweiterte mobile Funktionen kommen laut Roadmap 2026
Fazit und Ausblick
Die massive LGM-Präsenz auf der LogiMAT 2026 ist kein Zufall. SAP pusht aggressiv, Partner sehen ein neues Geschäftsfeld, und der Markt hat tatsächlich Bedarf für eine Lösung zwischen Excel und EWM. Die Kombination aus Produktlaunch, Marktdruck und erwarteter Rollout-Welle erklärt den Hype.
Die realistische Einschätzung:
Für Unternehmen mit verteilten Netzwerken, SAP-Landschaft und standardisierten Prozessen ist es eine relevante Option. Aber: Die Lösung ist jung, der Reifegrad begrenzt, und viele Fragen sind noch offen.
Wer jetzt einsteigt, ist Early Adopter. Das kann ein Vorteil sein (Erfahrungsvorsprung, enge SAP-Zusammenarbeit, First-Mover bei Optimierungen). Es ist aber auch ein Risiko (Kinderkrankheiten, fehlende Features, Roadmap-Abhängigkeit).
Die LogiMAT hat gezeigt: LGM wird nicht verschwinden. Aber ob es das nächste große Ding wird oder eine Nischenlösung bleibt, entscheidet sich in den nächsten 12-18 Monaten. Bis dahin: Genau hinschauen, Referenzen prüfen, Roadmap hinterfragen – und nicht vom Messe-Hype blenden lassen.
Max Fröhlich, SAP Consultant
Kontakt & Austausch
Kurz zu mir: Ich bin Max Fröhlich, SAP EWM Berater. Aktuell setze ich mich intensiv mit Logistics Management auseinander und finde es besonders gut, dass SAP hier den Fokus nun so stark auf die Benutzerfreundlichkeit legt.
Wie schätzen Sie das Potenzial ein? Schreiben Sie mir gerne einfach Ihre Gedanken in die Kommentare – ich freue mich auf einen Austausch.

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