Der Partner entscheidet, nicht die Software: Was Geschäftsführer jetzt über ihre SAP-Implementierung wissen müssen
Warum die Software nur die halbe Miete ist
Stellen Sie sich vor: Sie haben monatelang evaluiert, verglichen und verhandelt. Die Entscheidung für SAP ist gefallen. Das Budget steht, der Vorstand ist überzeugt. Und dann gerät das Projekt ins Stocken – nicht weil die Software versagt, sondern weil der Implementierungspartner die spezifischen Anforderungen Ihrer Branche nicht tief genug versteht.
Dieses Szenario ist in der Praxis keine Ausnahme, sondern strukturell verankert in einem Markt, der für Entscheider zunehmend unübersichtlich wird. Über 200 ERP-Systeme sind in Deutschland verfügbar, und allein für die SAP-Produktlinien existieren mehr als 400 zertifizierte Implementierungspartner hierzulande.
Genau hier setzt die aktuelle Marktstudie des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML an. Im März 2026 befragte das renommierte Forschungsinstitut 45 SAP-Implementierungspartner in Deutschland systematisch zu Kompetenzprofilen, Branchenspezialisierungen, Technologieportfolios und Projektmethoden. Das Ergebnis ist eine der fundiertesten, herstellerneutralen Analysen der deutschen SAP-Partnerlandschaft, die derzeit verfügbar ist – und sie liefert für Entscheider im Mittelstand einige unbequeme, aber strategisch wertvolle Erkenntnisse.
Die vier entscheidenden Erkenntnisse aus der Studie
1. Echter Expertise-Nachweis ist rar: Nur 20 Prozent der Partner erreichen Expert-Status
Das SAP-Partnerprogramm unterscheidet zwischen drei Kompetenzstufen: Essential, Advanced und Expert. Während Silver- und Gold-Partnerstatus vielfach sichtbar auf Unternehmenswebseiten kommuniziert wird, zeigt die Fraunhofer-Studie ein nüchternes Bild beim Blick auf die tatsächliche Fachtiefe.
| Kompetenzstufe (Primärprodukt) | Anteil der Partner |
|---|---|
| 🥇 SAP Expert Partner | 20 % |
| 🥈 SAP Advanced Partner | 27 % |
| 🥉 SAP Essential Partner | 22 % |
| Status noch offen / pending | 7 % |
| Keine Angabe | 24 % |
Quelle: Fraunhofer IML, 2026, n=45
2. Cloud ist kein Trend mehr – sie ist der neue Standard
Die Daten der Studie zeigen eine eindeutige Verschiebung im Produktportfolio der Partner:
| SAP-Produkt | Anteil der Partner |
|---|---|
| SAP S/4HANA Public Cloud | 78 % |
| SAP S/4HANA Private Cloud | 67 % |
| SAP Business One | 29 % |
| SAP Business ByDesign | 9 % |
Quelle: Fraunhofer IML, 2026, n=45
Das Neugeschäft im SAP-Ökosystem verlagert sich dabei nach Einschätzung der Studienautoren fast vollständig auf S/4HANA Public Cloud. Parallel dazu hat SAP den Vertrieb von Business ByDesign für Neukunden zum 20. April 2026 eingestellt – ein klares Signal dafür, wo die strategische Reise hingeht.
Für mittelständische Unternehmen, die noch auf SAP ECC setzen, entsteht hieraus Handlungsdruck: Das Wartungsende der SAP ECC-Systeme ist für 2027 angekündigt. Das bedeutet, dass zeitnah eine Migration in Richtung Cloud-ERP erforderlich wird – und genau diese Migrationswelle erhöht den Druck auf die Partnerlandschaft erheblich. Die Studie weist darauf hin, dass dieser Faktor die laufende Marktkonsolidierung unter SAP-Partnern beschleunigt: Größere Beratungshäuser übernehmen kleinere Anbieter, um die Kapazitäten für die parallele Abwicklung zahlreicher S/4HANA-Projekte sicherzustellen.
Die strategische Implikation: Wer heute einen Partner für eine SAP-Transformation wählt, sollte dessen Cloud-Erfahrung und Zertifizierungstiefe für S/4HANA explizit hinterfragen – und nicht nur die Referenzliste aus der ECC-Ära als Maßstab nehmen.
3. KI ist kein Feature mehr – sie wird zur Infrastruktur
Das markanteste Ergebnis aus dem Technologie-Kapitel der Fraunhofer-Studie: Künstliche Intelligenz ist mit Abstand der am häufigsten genannte Trend – und dominiert bereits das Lösungsportfolio der Partner:
| Line-of-Business-Lösung | Anteil der Partner |
|---|---|
| 🤖 Künstliche Intelligenz (KI/AI) | 76 % |
| 📊 Analytics und Planning | 67 % |
| 🔗 Supply Chain Management | 58 % |
| 👥 Customer Experience | 47 % |
| 🛒 Einkauf / Procurement | 42 % |
| 👔 Personalmanagement (HCM) | 31 % |
Quelle: Fraunhofer IML, 2026, n=45
Entscheidend ist dabei die Verschiebung in der Qualität des KI-Einsatzes. Es geht nicht mehr um einfache Regelautomatisierungen, sondern explizit um KI-Agenten, die autonom Aufgaben übernehmen und Entscheidungen vorbereiten – im ERP-Kontext etwa bei der Anomalieerkennung in Lieferketten, der automatisierten Verarbeitung von Eingangsrechnungen oder bei der intelligenten Prozesssteuerung über SAP Joule.
Die Studie macht jedoch einen kritischen Zusammenhang deutlich: Cloud-ERP (SaaS) ist die Voraussetzung dafür, KI-Applikationen überhaupt produktiv nutzen zu können. Der sogenannte Clean-Core-Ansatz – also die konsequente Standardisierung und Entschlackung des ERP-Kerns – ist damit keine optionale Architekturentscheidung, sondern die technologische Basis für KI-Fähigkeit.
Für Entscheider bedeutet das: Die Frage nach der KI-Strategie Ihres Unternehmens und die Frage nach der ERP-Architektur sind nicht mehr trennbar. Ein Implementierungspartner, der Clean Core nicht konsequent verfolgt, verbaut Ihnen langfristig den Zugang zu KI-gestützter Prozessintelligenz.
4. ERP-Einführung scheitert an der Vorbereitung – nicht an der Software
Vielleicht der strategisch wichtigste Befund der Studie: Auf die Frage, welche Vorbereitungsmaßnahme den größten Einfluss auf den Projekterfolg hat, antworteten die Partner so:
| Vorbereitungsmaßnahme | Relevanz laut Partner |
|---|---|
| ✅ Dokumentation der Soll-Prozesse | 80 % |
| ✅ Festlegung Unternehmens- & IT-Strategie | 71 % |
| ✅ Definition der Projektorganisation | 64 % |
| Definition technischer Anforderungen | 42 % |
| Dokumentation der Ist-Prozesse | 38 % |
| Dokumentation der Soll-Systemlandschaft | 31 % |
| Dokumentation der Ist-Systemlandschaft | 20 % |
Quelle: Fraunhofer IML, 2026, n=45
Diese Priorisierung der Partner ist kein Zufall: In der modernen SAP-Welt, insbesondere in der Public Cloud, geht es nicht darum, alte Prozesse eins zu eins zu digitalisieren. Es geht darum, Standardprozesse zu nutzen und das Unternehmen an die beste verfügbare Praxis anzupassen – nicht umgekehrt.
Dass die klassische Wasserfall-Methode bei der Projektdurchführung mittlerweile nur noch von 4 Prozent der Partner bevorzugt wird, unterstreicht denselben Grundgedanken: ERP-Implementierungen sind Business-Transformationsprojekte, keine IT-Projekte.
Was das für den Mittelstand bedeutet – und wo Noor Vision ansetzt
Die Fraunhofer-Studie beschreibt ein Marktumfeld, das mit erheblichen Entscheidungshürden verbunden ist: Über 400 Partner, heterogene Kompetenzprofile, ein beschleunigter Technologiewandel durch Cloud und KI – und eine Migrationswelle durch das ECC-Wartungsende, die Projekte unter Zeitdruck setzt.
Noor Vision GmbH ist Teil dieses Ökosystems – und genau deshalb wissen wir, worauf es ankommt. Als SAP-Implementierungspartner begleiten wir mittelständische Unternehmen nicht nur bei der technischen Einführung, sondern von der ersten strategischen Frage bis zum Go-Live. Das bedeutet in der Praxis:
- Anforderungsanalyse vor Produktentscheidung: Bevor die Frage „SAP S/4HANA Public oder Private Cloud?“ beantwortet wird, klären wir gemeinsam mit Ihnen, wie Ihr Unternehmen künftig arbeiten soll – nicht wie es heute arbeitet.
- Implementierung mit Branchentiefe: Wir bringen nicht nur technisches Know-how mit, sondern verstehen die Prozesse und Anforderungen unserer Kunden aus der Praxis heraus.
- Cloud-Readiness und Clean Core von Anfang an: Wir setzen Ihr ERP so auf, dass es heute läuft und morgen KI-fähig ist – ohne kostspielige Nacharbeiten.
Fazit
Eine ERP-Transformation ist keine Softwareentscheidung. Es ist eine der wichtigsten strategischen Weichenstellungen, die ein Unternehmen treffen kann — mit Auswirkungen auf Prozesse, Menschen und Wettbewerbsfähigkeit für die nächsten zehn Jahre.
Die Fraunhofer-Studie 2026 macht das in Zahlen greifbar: Ein Markt mit über 400 Partnern, in dem nur 20 Prozent echte Expertise auf höchster Stufe nachweisen können. Eine Technologielandschaft, die sich schneller in Richtung Cloud und KI bewegt, als viele Entscheider es wahrnehmen. Und eine unbequeme Wahrheit: Die meisten ERP-Projekte scheitern nicht an der Software — sie scheitern daran, dass die falschen Fragen zu spät gestellt wurden.
Wenn Sie gerade mitten in dieser Entscheidung stehen, oder ahnen, dass sie bald auf Sie zukommt: Jetzt ist der richtige Moment, strukturiert vorzugehen. Sie müssen das nicht alleine herausfinden.
Max Fröhlich, SAP Consultant
Kontakt & Austausch
Kurz zu mir: Ich bin Max Fröhlich, SAP EWM Berater. Aktuell setze ich mich intensiv mit Logistics Management auseinander und finde es besonders gut, dass SAP hier den Fokus nun so stark auf die Benutzerfreundlichkeit legt.
Wie schätzen Sie das Potenzial ein? Schreiben Sie mir gerne einfach Ihre Gedanken in die Kommentare – ich freue mich auf einen Austausch.

Geef een reactie