S/4HANA: On-Premise oder Cloud? Die richtige Lösung für Ihr Unternehmen

Die Entscheidung für SAP S/4HANA ist in den meisten Unternehmen längst gefallen. Die eigentliche Frage lautet heute: In welchem Betriebsmodell? Public Cloud, Private Cloud oder On-Premise – jede Option hat Konsequenzen für Kosten, Flexibilität und vor allem für Ihre Logistikprozesse. In diesem Beitrag ordnen wir die drei Modelle ein und zeigen, nach welchen Kriterien Sie die richtige Wahl treffen.

Warum die Deployment-Frage jetzt auf den Tisch gehört

Die Frage „S/4HANA On-Premise oder Cloud?“ wird für viele Unternehmen jetzt dringend. Denn die Uhr für SAP ECC läuft: Die Mainstream-Wartung endet am 31. Dezember 2027, die kostenpflichtige Extended Maintenance am 31. Dezember 2030. Wer über eine RISE-with-SAP-Subskription geht, kann mit der sogenannten SAP ERP Private Edition Transition Option bis 2033 verlängern – allerdings nur unter Bedingungen und zu entsprechenden Kosten.

Die Wahl des Betriebsmodells ist keine reine IT-Entscheidung. Sie bestimmt, wie viel Individualisierung möglich ist, wie oft Sie Releases einspielen müssen und wie Ihre Lagerprozesse künftig mit dem Standard zusammenspielen. Wer sie zu spät oder rein nach Lizenzpreis trifft, zahlt später im Projekt drauf.

Die drei Optionen im Überblick

1. SAP S/4HANA Cloud Public Edition (GROW with SAP)

SAP betreibt das System als Software-as-a-Service. Sie nutzen standardisierte Best-Practice-Prozesse, Updates kommen zweimal jährlich automatisch. Modifikationen sind nicht vorgesehen, Erweiterungen erfolgen ausschließlich über In-App- und Side-by-Side-Extensibility.

2. SAP S/4HANA Cloud Private Edition (RISE with SAP)

Sie erhalten eine dedizierte S/4HANA-Instanz, betrieben von SAP auf einem Hyperscaler Ihrer Wahl. Funktional entspricht sie weitgehend der On-Premise-Version, inklusive voller Konfigurationstiefe. Den Release-Zeitpunkt steuern Sie innerhalb vorgegebener Fenster selbst.

3. SAP S/4HANA On-Premise

Sie betreiben das System in Ihrem eigenen Rechenzentrum oder bei einem Hoster Ihrer Wahl. Maximale Kontrolle über Infrastruktur, Releasezyklus und Anpassungen – aber auch volle Verantwortung für Betrieb, Sicherheit und Upgrades.

S/4HANA On-Premise oder Cloud: Was unterscheidet die Modelle konkret?

KriteriumPublic CloudPrivate CloudOn-Premise
BetriebSAP (SaaS)SAP auf HyperscalerEigenes RZ / Hoster
KostenmodellSubskription (OPEX)Subskription (OPEX)Lizenz + Betrieb (CAPEX)
Release-Zyklus2× jährlich, verpflichtendSelbst gesteuert im RahmenSelbst gesteuert
IndividualisierungNur Clean-Core-ExtensibilityHoch, Clean Core empfohlenMaximal
EWM-SzenarioEingebettet, eingeschränkter Umfang; dezentrales EWM anbindbarEingebettet oder dezentral, voller UmfangEingebettet oder dezentral, voller Umfang
ImplementierungsansatzFit-to-Standard, GreenfieldGreenfield, Brownfield, Selective Data TransitionGreenfield, Brownfield, Selective Data Transition
Typisches ProfilMittelstand, standardnahe ProzesseMittelstand bis Konzern, komplexe LogistikHohe Compliance- oder Integrationsanforderungen

Kostenfaktoren: Mehr als der Lizenzpreis

Wer Betriebsmodelle allein über die Subskriptions- oder Lizenzkosten vergleicht, greift zu kurz. Entscheidend sind die Gesamtkosten über mindestens fünf bis sieben Jahre. Dazu zählen:

  • Infrastruktur und Betrieb: Hardware, Basis-Betreuung, Backups und Security liegen On-Premise bei Ihnen, in der Cloud sind sie in der Subskription enthalten.
  • Upgrade-Aufwand: In der Public Cloud fallen Releases regelmäßig und verpflichtend an – jedes Mal mit Regressionstests. On-Premise sind Upgrades seltener, dafür größer und teurer.
  • Eigenentwicklungen: Jede Z-Entwicklung verursacht Wartungs- und Testaufwand über den gesamten Lebenszyklus. Das gilt in jedem Modell.
  • Interne Ressourcen: Wie viel SAP-Basis- und Entwicklungs-Know-how wollen und können Sie dauerhaft im Haus halten?

Der Blick aus der Logistik: Was bedeutet das für SAP EWM?

Gerade für Lager und Distribution ist die Deployment-Frage oft der kritischste Punkt. Komplexe Lager mit Materialflusssystemen, Wellensteuerung oder hochvolumigen Kommissionierprozessen benötigen häufig den vollen EWM-Funktionsumfang. Dieser steht in der Private Cloud und On-Premise uneingeschränkt zur Verfügung – als eingebettetes oder dezentrales EWM.

In der Public Cloud ist der Lagerumfang bewusst standardisiert. Seit Release 2508 lässt sich die Public Cloud zwar mit einem dezentralen EWM in der Private Cloud oder On-Premise verbinden, jedoch mit Einschränkungen, etwa bei Handling Units oder Seriennummern auf Lagerebene. Unser Rat: Prüfen Sie Ihre Lagerprozesse vor der Deployment-Entscheidung, nicht danach.

Unabhängig vom Modell gilt: Ein sauberer Kern zahlt sich aus. Je weniger Sie den Standard verändern, desto einfacher werden Upgrades und ein späterer Wechsel des Betriebsmodells.

Entscheidungshilfe: Fünf Fragen für Ihr Projektteam

  1. Wie standardnah sind Ihre Prozesse? Lässt sich der Großteil Ihrer Prozesse mit den SAP Best Practices abbilden, ist die Public Cloud eine ernsthafte Option.
  2. Wie komplex ist Ihre Lagerlogistik? Automatisierung, MFS-Anbindung oder Sonderprozesse sprechen für Private Cloud oder On-Premise.
  3. Wie viele Eigenentwicklungen bringen Sie mit – und wie viele brauchen Sie wirklich? Eine ehrliche Bestandsaufnahme entscheidet zwischen Greenfield und Brownfield.
  4. Welche Release-Frequenz kann Ihre Organisation tragen? Zwei Pflicht-Updates pro Jahr erfordern eingespielte Test- und Change-Prozesse.
  5. Welche Compliance- und Datenschutzvorgaben gelten? Regulierte Branchen haben teilweise Vorgaben zu Datenhaltung und Betrieb.

Fazit

Auf die Frage „S/4HANA On-Premise oder Cloud?“ gibt es keine pauschal richtige Antwort. Die Public Cloud belohnt Standardisierung, die Private Cloud verbindet Flexibilität mit Cloud-Betrieb, On-Premise bietet maximale Kontrolle. Entscheidend ist, dass die Wahl zu Ihren Prozessen, Ihrer Organisation und Ihrer Logistik passt – und nicht umgekehrt. Wer die Frage früh, strukturiert und mit Blick auf die Gesamtkosten beantwortet, legt den Grundstein für ein stabiles S/4HANA-Projekt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen RISE with SAP und GROW with SAP?
RISE with SAP ist das Angebotspaket rund um die S/4HANA Cloud Private Edition, GROW with SAP das Paket für die Public Cloud Edition.

Kann ich später von On-Premise in die Cloud wechseln?
Ja, ein Wechsel in die Private Cloud ist technisch gut möglich. Ein Wechsel in die Public Cloud kommt dagegen faktisch einer Neuimplementierung gleich.

Ist SAP EWM in der Public Cloud verfügbar?
Ja, als eingebettete Lagerverwaltung mit standardisiertem Funktionsumfang. Für komplexe Lager ist ein dezentrales EWM außerhalb der Public Cloud möglich, mit Integrationseinschränkungen.

Wann endet die Wartung für SAP ECC?
Die Mainstream-Wartung endet Ende 2027, die Extended Maintenance Ende 2030. Über die Private Edition Transition Option ist eine Verlängerung bis 2033 möglich.

Görkem Serdar, SAP EWM Consultant

Kontakt & Austausch

Kurz zu mir: Ich bin Görkem Serdar, SAP EWM Consultant bei Noor Vision. Ich begleite Unternehmen bei S/4HANA- und EWM-Projekten von der Explore-Phase über Go-Live und Hypercare bis zur Optimierung danach.

Vor welcher Deployment-Entscheidung stehen Sie gerade? Schreiben Sie mir gerne Ihre Gedanken in die Kommentare.

Daniel Nurzai, Managing Partner

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